Fachartikel

Personifizierte Benutzeroberflächen in BI-Systemen

Nachdem Consumer-Software, Smartphones und Tablet-PCs immer einfachere Benutzeroberflächen bieten, ziehen nun auch Geschäftsanwendungen nach und orientieren sich zunehmend an modernen Usability-Konzepten.

Der IDL-Partner Actinium Consulting hat ein Usability-Framework für Business-Intelligence-Anwendungen entwickelt, das vor allem durch die Individualisierung der Benutzeroberfläche erhebliche Arbeitserleichterung bringt.

Das Konzept selbstlernendes System

Usability heißt aus Sicht von Actinium, die angebotenen Informationen und Bedienfunktionen maximal auf die Bedürfnisse des individuellen Users zuzuschneiden. Dies bedeutet in der Konsequenz, Abschied von fest definierten Standardoberflächen zu nehmen und das User Interface stattdessen als selbstlernendes System zu konzipieren.

Aus seinem vorangegangen Nutzungsverhalten der Anwendung abgeleitet, bekommt der User hierbei nur eine begrenzte Auswahl an Funktionalitäten angeboten. Durch die bewusste Beschränkung darauf, was er typischerweise nutzt, wird eine sehr fokussierte und produktive Nutzung unterstützt. Erst wenn er abweichend davon auf zusätzliche Features zugreifen möchte, wird ihm per Mausklick eine weitergehende Funktionsliste angezeigt.

Individualisierung durch Widgets

Dem gleichen Prinzip der Individualisierung folgt auch das Thema Widgets. Dabei handelt es sich um kleine Programme, die ergänzend zur Funktionalität der Anwendung auf schnelle Weise regelmäßig gewünschte Kerninformationen anzeigen. Das kann beispielsweise die Anzahl der elektronisch eingegangenen Rechnungen des vorangegangenen Tages sein. Widgets bieten gerade auch Führungskräften und Prozessverantwortlichen einen großen Nutzen, weil sie diesen sehr schnell Transparenz in den für sie relevanten Sachverhalten verschaffen.

Widgets sind jedoch nur generierbar, wenn die betreffende BI-Lösung die technischen Voraussetzungen dafür erfüllt. Dies gilt im Regelfall für alle webbasierten Applikationen, aber auch für viele Desktop-Versionen. Die Grundlage der personalisierten Informationsversorgung bilden Widget-Shops mit einem Angebot an solchen Hilfsprogrammen. Indem der einzelne Benutzer die Widgets auswählt, die für eine Aufgabe eine sinnvolle Unterstützung bieten, erhält seine Benutzeroberfläche ihren individuellen Charakter. Der Zugriff auf den Widget-Shop ist dabei über die zentrale Rechteregelung gesteuert; der Nutzer kann sich seine rollenspezifischen Inhalte selbst zusammenstellen und diese in eigenen Dashboards anordnen. Die einheitliche Gestaltung von Elementen und Charts sowie der vordefinierte Design-Aufbau sichern dabei den systemweit einheitlichen Look der Nutzeroberfläche.

Auf diese Weise ist in BI-Systemen beispielsweise ein Widget-basiertes Reporting darzustellen. Die dynamische Oberfläche im selbstlernenden System sorgt für eine klickarme und zeitsparende Navigation, eine klare Orientierung, wenig Suchaufwand und damit auch für eine hohe Nutzerakzeptanz durch einfaches Handling. Vereinfachung der Oberfläche heißt jedoch nicht, dass dem Nutzer weniger Informationen oder Analysemöglichkeiten angeboten werden. Es geht stattdessen um die Konzentration auf das für den jeweiligen Nutzer Wesentliche in dessen Blickfeld. Bei Bedarf an mehr Details oder Funktionen stehen diese gemäß einem zugrunde liegenden ausgefeilten Informationskonzept ebenfalls für den Zugriff bereit.

Komplexität hinter einfacher Oberfläche

Das nutzerzentrierte Konzept zieht eine Vielzahl von Konsequenzen für die Gestaltung des User Interface nach sich.So müssen alle Funktionen einer genauen Prüfung unterzogen werden, ob und in welchem Maß sie für die Benutzer relevant sind. Selten genutzte Funktionen werden ausgelagert oder so angeordnet, dass sie keine direkte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Um dem Benutzer das Navigieren innerhalb des Systems zu vereinfachen, empfiehlt sich dabei ein Click-and-Return-Ansatz. Dieser besagt, dass Detailinformationen zu einem Widget oder zu Konfigurationseinstellungen, Listen von weiteren Elementen etc. soweit möglich oder sinnvoll in Overlays auf der gleichen Seite angezeigt werden. Damit wird vermieden, dass sich der User ständig neu orientieren muss. Er hat stattdessen die gewünschten Informationen im Fokus und fällt beim Beenden sofort wieder auf die vorherige Ansicht zurück, ohne erst wieder scrollen oder suchen zu müssen.

Trotz vereinfachter Oberfläche erhält der Anwender auch durch die Organisation der zugrunde liegenden Datenstrukturen und Kennzahlensysteme eher mehr Analysemöglichkeiten und klare Informationen. Die Kennzahlen beispielsweise werden in einer Matrix eingeordnet, die sie in ihren mathematisch-logischen Zusammenhängen darstellt. Die Nutzer können damit nachvollziehen, wie die gemäß ihrer Zugriffsrechte angezeigten Kennzahlen berechnet werden. Ampel-Anzeigen und Markierungen visualisieren zudem Handlungsbedarf oder Kenngrößen, auf die der Nutzer selbst Einfluss hat. Durch Zusatzinformationen, klare Kennzahlen-Definitionen und visuelle Marker werden so Missverständnisse und unnötige Diskussionen vermieden und zeitnahe Reaktionen unterstützt.

Auch das Design und die Gestaltungsprinzipien der Oberfläche sind konsequent am Ziel einer einfachen und komfortablen Benutzung ausgerichtet. Die moderne App-Gestaltung gibt hier richtungsweisende Prinzipien vor, wie beispielsweise ein reduziertes Angebot an optischen Elementen,das eine schnelle und sehr gezielte Orientierung unterstützt, sowie die fokussierte Platzierung der meistfrequentierten Hauptfunktionen, eine ruhige Linienführung oder selbsterklärende Icons und Buttons statt Textelementen. Durch den durchdachten Aufbau bzw. die vorgegebene Untergliederung der Inhalte in festen Rastern ist zudem sichergestellt, dass u. a. auch die individuell zusammengestellten Dashboards durchgängig im definierten übersichtlichen Layout erscheinen.

Reduzierte Funktionen bei Mobile-BI

Besondere Richtlinien sind für die Mobile-Variante der BI-Umgebung zu berücksichtigen. Während auf Tablets nahezu ein identischer Informations- und Funktionsumfang wie auf dem Desktop angeboten werden kann, empfiehlt es sich für die Mobile-Version, sowohl die optische Darstellung als auch den Funktionsumfang erheblich zu reduzieren. Da es bei Zugriff auf die BI-Umgebung über Smartphones vornehmlich um den Abruf bestimmter Kennzahlen geht, stehen in der Mobile-Version die Dashboards im Fokus. Der Widget-Store mit seinen erweiterten Funktionalitäten ist für die Smartphone-Umgebung überdimensioniert und wird auch kaum benötigt, da Nutzer über dieses Gerät eher keine neuen Widgets auswählen und Dashboards aufbauen.

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