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Nachhaltigkeit - Thema auch für CFOs

Am 15. April 2014 hat das EU-Parlament einem Richtlinienvorschlag zugestimmt, nach dem spätestens ab 2017 börsennotierte Unternehmen ab 500 Mitarbeitern (u.a. Unternehmen von öffentlichem Interesse wie Banken, Versicherungen etc.) über wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte ihrer Unternehmensführung berichten müssen. 

 

Unternehmen müssen Verantwortung übernehmen

Die Richtlinie über die „Offenlegung nicht-finanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Gesellschaften und Konzerne“ fordert für den Lagebericht eine Erklärung mit Angaben zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, zur Achtung der Menschenrechte, zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie über Vielfalt (Diversity) in Leitungs- und Aufsichtsgremien. Für jeden dieser Themenbereiche wird die Erklärung eine Beschreibung der entsprechenden Politiken, der Ergebnisse und risikobezogener Aspekte enthalten.

Bei der inhaltlichen Gestaltung der Erklärung können sich die Unternehmen an nationalen, EU-basierten oder internationalen Rahmenwerken orientieren, konkret genannt werden beispielsweise UN Global Compact, Global Reporting Initiative (GRI), ISO 26000 und die OECD Leitlinien für multinationale Unternehmen. Allein der Hinweis auf diese komplexen Normensysteme zeigt, wie hoch der von EU-Seite erwartete Detaillierungsgrad der Erklärung sein wird. 

Nachhaltigkeit wird Thema für die gesamte Zulieferkette

Obwohl in Europa von der Richtlinie nur ca. 6.000 Unternehmen betroffensein werden (in Deutschland weniger als 1.000), darf ihre Bedeutung nicht unterschätzt werden; da sich der Begriff der gesellschaftlichen Verantwortung (Corporate Social Responsibility) explizit nicht nur auf eigene Entscheidungen und Handlungen eines Unternehmens bezieht, sondern wesentliche Teile der Zulieferketten einbezieht, werden unmittelbar betroffene Unternehmen nicht nur von ihren First-Tier-Lieferanten erwarten, dass sie ihnen annähernd vergleichbare Angaben machen. Bedenkt man, dass alleine Großkonzerne jeweils mehrere Zehntausend Lieferanten haben, kann man erahnen, dass sehr viele Unternehmen mit B2B-Schwerpunkt (auch unter 500 Mitarbeitern) zumindest mittelbar von der Richtlinie betroffen sein werden.

Gesetzliche Änderungen - nur einer der Gründe zur Erlangung der gesellschaftlichen Licence to Operate

Diese anstehende gesetzliche Änderung ist nur einer von vielen Gründen, warum Nachhaltigkeit auf die Tagesordnung von CFOs und ihrer Vorstandskollegen gehört. Denn die Megatrends Umwelt, Ressourcen und Bevölkerung befördern die zunehmende Überzeugung aller Stakeholder (inklusive der Kapitalmärkte), dass Unternehmen für die negativen Begleiterscheinungen ihres Wirtschaftens Verantwortung übernehmen müssen.

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