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KPMG Studie zur Digitalisierung im Rechnungswesen: Dringender Handlungsbedarf

Die Corona-Krise hat massiven Einfluss auf die Geschäftswelt. Stabile Geschäftsmodelle wackeln plötzlich und Prognosen werden unsicher. Kurzarbeit und Homeworking verändern die Arbeitswelt, wie wir sie bisher kannten. Das betrifft selbstverständlich auch das Rechnungswesen, welches derzeit unter diesen veränderten Rahmenbedingungen insbesondere schnell und präzise Informationen, wie Monatsabschlüsse oder Cash- und Liquiditätseinschätzungen bereitstellen muss; oft unter Berücksichtigung unterschiedlichster Szenarien. Dies setzt jedoch digitalisierte Abläufe sowie die gezielte technische Verarbeitung vielfältiger Daten voraus. 

KPMG hat auch in diesem Jahr den Status quo und die Entwicklungstendenzen der Digitalisierung im Rechnungswesen in Bezug auf Technologien und Systeme untersucht. Dabei wurden sowohl aktuelle Projekte wie die Umstellung von ERP-Systemen auf SAP S/4HANA betrachtet wie auch mögliche Effizienzsteigerungen und deren Grenzen, die sich durch den Einsatz von Roboter Process Automation (RPA) und Künstliche Intelligenz (KI) ergeben. 

Klar ist, aktuell gilt es mehr denn je, die Prozesse gesamthaft im Sinne einer End-to-End-Betrachtung weitestgehend zu automatisieren und die Menge an vorhandenen Daten zielgerichtet in entsprechenden Business Intelligence-Systemen zu nutzen. Damit wäre das Rechnungswesen auch zukünftig unabhängig leistungsfähig und in der Lage, alle relevanten Compliance Regelungen zu verwalten sowie Unternehmensentscheidungen proaktiv vorzubereiten.

Konsequente Automatisierung etablieren und absichern

Es sollte daher ein vordringliches Ziel im Rechnungswesen sein, regelbasierte und häufig anfallende Prozesse weitestgehend zu automatisieren und die Möglichkeiten bereitstehender Daten zur Steuerung von Liquidität und Cash zu nutzen. Die Umsetzung einer klaren Digitalisierungsstrategie führt dazu, die Abläufe im Rechnungswesen deutlich effizienter und einheitlicher fachbereichsübergreifend zu gestalten. Dies gilt insbesondere für die transaktionalen Prozesse „Purchase-to-Pay“ oder „Order-to-Cash“, bei denen durch den Einsatz von Workflow-Technologien oder KI nahezu eine Vollautomatisierung erreicht werden kann. Damit gehen Änderungen der Abläufe in den Fachbereichen einher, die durch die Etablierung sogenannter web-basierter „Accounting Wiki“ oder End-to-End-Prozessbeschreibungen abgesichert werden können. 

Potenzial für Planung und Forecasting nutzen

Darüber hinaus kommt dem Thema „Predictive Analytics“ eine zunehmende Bedeutung zu. Hier spielt das Rechnungswesen als „Hüter“ bedeutender Informationen gemeinsam mit dem Controlling eine zentrale Rolle. Vorliegende Daten können in einer Business Intelligence-Umgebung strukturiert aufbereitet und zur Prognose der Geschäftsentwicklung flexibel genutzt werden, ohne lediglich nur in die Vergangenheit zu schauen. Das schafft Flexibilität bei der Ausgestaltung von Szenarien unter Berücksichtigung der elementaren Werttreiber des Geschäftsmodells und ermöglicht Unternehmensentscheidungen in einem zunehmend unsichereren Umfeld. Des Weiteren zeigt sich, dass Unternehmen, die sich sehr intensiv mit Business Intelligence beschäftigen, auf diesem Weg vielfältige Ideen für die Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells nutzen und damit neue Erlösströme identifizieren. 

Es stellt sich somit die Frage, welche Maßnahmen das Rechnungswesen einleiten kann, um die eigene Digitalisierungsagenda voranzutreiben. Viele Unternehmen überprüfen derzeit ihre Digitalisierungsstrategie mittels eines strukturierten 3-4 wöchigen Assessments, um konkrete Handlungsfelder zu identifizieren und diese vor dem Hintergrund der aktuellen Situation zu priorisieren. Dies betrifft auch Entscheidungen um größere Transformationsvorhaben, wie die Einführung von SAP S/4 HANA. Daraus entsteht ein klarer Fahrplan mit Aufwand-Nutzen-Einschätzungen je Maßnahme sowie eine Planung der damit verbundenen Investitionen.

Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit von morgen schaffen

Es ist deutlich zu beobachten, dass COVID-19 eine weiterführende Automatisierung bzw. Digitalisierung der unternehmensinternen Abläufe notwendig macht. Die Auswirkungen der Pandemie forcieren die Diskussion, um die Effizienz in Routineaktivitäten und gleichzeitig um die Flexibilität große Datenmengen zielgerichtet für Szenarienanalysen zu nutzen. Wer sich heute dieser Diskussion nicht stellt, wird in naher Zukunft einen deutlichen Wettbewerbsnachteil in Kauf nehmen müssen. Nutzen Sie daher die aktuelle Situation, um sich für die Zukunft wettbewerbsfähig aufzustellen.  

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