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Integrated Reporting auf dem Vormarsch

Die öffentlichen Erwartungen an die Transparenz von Unternehmen steigen zunehmend. Potenzielle Investoren und Kapitalgeber, NGOs, Politik, aber auch die breitere Öffentlichkeit achten auf gesellschaftliche Akzeptanz, Glaubwürdigkeit und überzeugende Reputation einer Organisation.

Mittels einer umfassenden und transparenten Berichterstattung gegenüber den unterschiedlichen Interessengruppen („Stakeholdern“) kann ein Unternehmen entscheidend zu seinem positiven Erscheinungsbild beitragen. Doch wie gelingt dies und worauf sollten Unternehmen bei dieser freiwilligen Berichterstattung achten? Der Artikel liefert Ihnen einen Überblick und Tipps zur praktischen Umsetzung.

Viele Unternehmen erstellen bereits freiwillig separate Berichte über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten oder ihre Corporate Governance. Immer mehr Investoren beziehen diese in ihre Investitionsentscheidungen ein. Denn nicht nur der Finanzbericht eines Unternehmens ist interessant für Banken, Kapitalgeber und andere Stakeholder, sondern zunehmend auch die Berichte über die Geschäftslage mit ihren Chancen und Risiken, die Nachhaltigkeitsbemühungen eines Unternehmens sowie die Berichte über Corporate Governance und Vergütungen. Das führt aber oft zu einer unübersichtlichen Kumulierung verschiedener „nicht-finanzieller Berichte“, die häufig weder untereinander noch mit dem Finanzbericht verknüpft sind.

Damit ist die Berichterstattung nicht nur für den Leser verwirrend, sondern auch für das Unternehmen wenig effizient. Auch gibt es keine verbindlichen Regelungen zur formalen, inhaltlichen und zeitlichen Gestaltung von Nachhaltigkeitsberichten. Vergleichbarkeit mit den Angaben anderer Unternehmen wird dadurch erschwert oder gänzlich unmöglich gemacht.

Standards für Integrated Reporting

Vor diesem Hintergrund beabsichtigt das IIRC (International Integrated Reporting Council), ein weltweites Rahmenkonzept für einen „Integrated Report“ zu entwickeln, bei dem finanzielle und nicht-finanzielle Informationen in einem Bericht zusammengefasst werden sollen. Der Report soll jährlich komprimiert über die Unternehmensstrategie und -führung, die Leistung und die kurz-, mittel- und langfristige Entwicklung des Unternehmens informieren.

Darüber hinaus sollen die wesentlichen Aussagen anderer Berichte, wie z.B. des Finanzberichts, des Nachhaltigkeitsberichts, des Vergütungsberichts, des Corporate-Governance-Berichts und des Geschäftsberichts, gebündelt werden, um in effektiver und effizienter Art die Möglichkeiten der Wertschöpfung darzustellen.

Integrated Reporting fungiert demnach als eine Art Dach-Bericht, ohne andere Formen der Berichterstattung des Unternehmens zu ersetzen. Dabei folgt die integrierte Berichterstattung einem prinzipienbasierten Ansatz, in dem das Management selbst entscheidet, über welche wesentlichen Angaben es berichtet. Empfohlen werden folgende sechs Kapitalarten zur Berichterstattung:

  • Finanzkapital
  • Produktionskapital
  • Humankapital
  • Geistiges Kapital
  • natürliches Kapital
  • Sozial- und Netzwerkkapital

Die Berichtsadressaten sollen sich so ein Bild von der Lage des Unternehmens auf einer umfassenden Grundlage machen und beurteilen können, ob das Unternehmen fähig ist, seine kurz-, mittel- und langfristigen Ziele zur Wertschöpfung zu erreichen. Insgesamt unterscheidet sich der „Integrated Report“ ganz wesentlich von der gegenwärtigen Berichterstattung. Die früher detaillierte und lange Berichterstattung soll sich nun auf prägnante und wesentliche Informationen beschränken, um dem Leser einen besseren Überblick und Transparenz zu verschaffen. Der Betrachtungszeitraum der nicht-finanziellen Informationen verändert sich von vormals kurzfristig und vergangenheitsorientiert hin zu mittel- und langfristig bzw. strategischen Informationen.

Neue EU-Richtlinie

Am 15. April 2014 hat das EU Parlament die vorgeschlagene Richtlinie zur Offenlegung nicht-finanzieller Information verbindlich angenommen. Demnach sollen Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Mitarbeitern im Durchschnitt des Geschäftsjahres eine „nicht-finanzielle Erklärung“ in den Lagebericht aufnehmen. Diese Erklärung soll mindestens Angaben zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung enthalten.

  • Darüber hinaus soll diese folgende Punkte umfassen:
  • Eine kurze Beschreibung des Geschäftsmodells,
  • eine Beschreibung der vom Unternehmen verfolgten Politik,
  • deren Ergebnisse,
  • eine Beschreibung der Risiken im Zusammenhang mit diesen Belangen und
  • ihrer Handhabung im Unternehmen.

Sollte das Unternehmen in Bezug auf einen oder mehrere Belange keine Unternehmenspolitik verfolgen, so sollen die Gründe dafür angegeben werden. Hierzu gibt die EU jedoch keinen Standard vor, sondern orientiert sich an den nationalen und internationalen Rahmenwerken wie den DRS in Deutschland, der GRI bzw. dem IIRC-Framework bei internationaler Berichterstattung. Auch eine umfassende Berichterstattung auf Grundlage von einschlägigen Rahmenkonzepten (z. B. „Global Compact“ der Vereinten Nationen, ISO-Norm 26000 oder Deutscher Nachhaltigkeitskodex) kann die Vorgaben erfüllen.

Umsetzung in der Praxis

Da die Erstellung eines integrierten Berichts über die bisherige Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung hinausgeht, muss das Unternehmen seine Prozesse der Informationsbeschaffung, -aufbereitung und -Vermittlung entsprechend anpassen. Ähnlich wie bei den finanziellen Leistungsindikatoren sind, zum Beispiel mit Unterstützung des Controllings, neue Prozesse der Datengewinnung, -verknüpfung und -verarbeitung zu implementieren.

Gleichzeitig ergeben sich auch strukturelle Veränderungen im Unternehmen, weil nicht-finanzielle Informationen zwischen Unternehmensbereichen ausgetauscht werden müssen, die bisher nicht miteinander und aufeinander reagierten. Das Management muss für die nicht-finanziellen Informationen Strategien und Methoden so konkret, transparent und einheitlich wie möglich festlegen, damit diese sowohl am Jahresende als auch über die Jahre hinweg kontrollierbar und vergleichbar bleiben.

Die Gestaltung und nachhaltige Umsetzung einer integrierten Berichterstattung wird somit ein Schlüsselfaktor im Bemühen sein, Stakeholder umfassend zu informieren und Vertrauen langfristig zu erhalten.

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