Fachartikel

IDL Wissenswert: Konzernrechnungslegung

Unter Konzernrechnungslegung (engl. Consolidated accounting) versteht man den Jahresabschluss eines Konzerns. Er fasst die Einzelabschlüsse der Konzerneinheiten zusammen, die aus rechtlich und wirtschaftlich selbstständig agierenden Unternehmen bestehen und von einer übergeordneten Einheit, dem Mutterunternehmen, im Konzernkreis verbunden sind.

Eine Konzernrechnungslegungspflicht, bestehend aus dem Konzernabschluss (Konzernbilanz, Konzern-GuV) und Konzerngeschäftsbericht, wurde in Deutschland mit dem Aktiengesetz (AktG) vom 06.09.1965 kodifiziert. Später wurde es durch das sog. Publizitätsgesetz vom 15.08.1969 erweitert und ergänzt. Eine Rechnungslegung für Konzerne wurde lange gefordert, da die Einzelabschlüsse der Konzernunternehmen lediglich ein verzerrtes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Konzerns gaben. Da jedoch eine rein summierte Zusammenfassung der Einzelabschlüsse von Konzernunternehmen zur Aufblähung des Konzernabschlusses und zu einer Verzerrung der Darstellung geführt hätte, musste für eine aussagefähige Konzernrechnungslegung eine Bereinigung der Geschäftsbeziehungen zwischen den verbundenen Unternehmen entwickelt werden: Die Konsolidierung.

Ziele und Aufstellungspflicht des Konzernabschlusses

Da die Einzelabschlüsse durch bilanzpolitische Maßnahmen sowie durch die gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeiten der Schwesterunternehmen innerhalb eines Konzerns keinen verlässlichen Einblick in die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns gewähren, hat der Konzernabschluss das Ziel, dem Management über die Einzelabschlüsse hinaus ergänzende, steuerungsrelevante Informationen bereitzustellen.

Durch den Konzernabschluss gewinnt die Konzernleitung weitere Optionen für Steuerung, Kontrolle und Maßnahmen. Rechtlich besteht die Verpflichtung, einen Konzernabschluss aufzustellen gemäß § 290 HGB sowie gem. § 11 PublG für Unternehmensverbindungen, die als Konzern zu betrachten sind und deren Muttergesellschaft ihren Sitz im Inland hat. Aktienrechtlich ist die Rechnungslegung im Konzern gem. §§ 329 bis 338 AktG erfasst.

  • Aufstellung von Konzernabschlüssen und Konzerngeschäftsberichten, §320 AktG
  • Aufstellung von Teilkonzernabschlüssen und Teilkonzerngeschäftsberichten,§ 330 AktG
  • Konzernbilanz § 331 AktG
  • Konzerngewinn und Verlustrechnung, §§ 332, 333 AktG
  • Konzerngeschäftsbericht, § 334 AktG
  • Einreichung von Unterlagen, § 335 AktG
  • Prüfung des Konzernabschlusses, § 336 AktG
  • Vorlage des Konzernabschlusses und des Konzerngeschäftsberichts, § 337 AktG
  • Bekanntmachung des Konzernabschlusses, § 338 AktG 

Konzernkreis, Wahlrechte, Befreiung 

Das Konzernverhältnis im Konzernkreis definiert sich gem. HGB durch die faktische Leitung oder den beherrschenden Einfluss einer Gesellschaft (Muttergesellschaft) auf eine oder mehrere andere Gesellschaften (Töchter). Es sind grundsätzlich alle zum Konzern zählenden Gesellschaften in den Konzernabschluss einzubeziehen, auch die ausländischen. Einige wenige Wahlrechte ermöglichen Ausnahmen hiervon. Von der Aufstellungspflicht befreit wird ein Unternehmen bspw. dann, wenn es selbst Teil einer übergeordneten, wirtschaftlichen Einheit ist, die nach der 7. EG Bilanzrichtline einen Konzernabschluss zu erstellen hat. 

Durchführung der Konsolidierung für den Konzernabschluss

Für die Erstellung eines Konzernabschlusses wird in der Konsolidierung ein Summenabschluss durch Addition der Einzelabschlüsse gebildet und so angepasst, dass verzerrende Faktoren, wie Beteiligungs- und Schuldverhältnissen sowie Liefer- und Leistungsbeziehungen zwischen den Konzerngesellschaften bereinigt sind.

Im Wesentlichen legt ein Konzernabschluss also die zahlenmäßige Auswirkung von Liefer- und Leistungsbeziehungen mit konzernfremden Dritten offen. Um die Einzelabschlüsse der Konzerneinheiten in einen Konzernabschluss umzuformen, sind u.a. folgende Besonderheiten zu beachten: 

  • Welche Unternehmen zum Konzernkreis gehören und in den Konzernabschluss einzubeziehenden sind, ist jedes Jahr neu festzulegen. Dabei sind alle Bilanzposten in der Konzernbilanz zu erfassen soweit für sie eine Bilanzierungspflicht besteht.  
  • Für Unternehmen, die einem maßgeblichen Einfluss eines Unternehmens im Konzernkreis unterliegen, bestehen bestimmte Methoden, wie sie im Konzernabschluss Berücksichtigung finden. 
  • Bilanzierungswahlrechte für den Konzern können unabhängig von ihrer Ausübung in den Einzelabschlüssen wahrgenommen werden. Auch die Bewertung darf losgelöst von der in den Einzelabschlüssen gewählten Wertzuweisungen erfolgen. Ansatz und Bewertung müssen nicht für jeden Konzern des Konzernkreise gleich, aber je Unternehmenseinheit einheitlich vorgenommen werden
  • Da es Ziel des Konzernabschlusses ist, den Konzern als rechtliche Einheit darzustellen, müssen Beziehungen zwischen den zu konsolidierenden Unternehmenseinheiten aus Bilanz sowie aus Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns zu eliminieren. Im Rahmen der so genannten Kapitalkonsolidierung werden daher die Anteile, die die Mutter an den Töchtern hält und die in den Einzelabschlüssen bilanziert sind, mit den Eigenkapitalbeträgen der Töchter verrechnet, die jeweils auf sie entfallen.  
  • In den Konzernabschluss einzubeziehen und mit ihrem vollen Betrag in die Konzernbilanz aufzunehmen sind grundsätzlich alle Schulden sowie Rechnungsabgrenzungsposten.  
  • Anstelle einer vollständigen Einbeziehung aller Schulden sowie Rechnungsabgrenzungsposten in den Konzernabschluss ist es bei gemeinschaftlich, von mehreren Gesellschaften geführten Unternehmen möglich, den Einzelabschluss anteilig in Höhe des Konzernanteils im Konzernabschluss zu berücksichtigen.  
  • Um weitere Verzerrungen zu eliminieren, rechnet die Schuldenkonsolidierung aus der Konzernbilanz die innerhalb des Konzerns zwischen den Konzerneinheiten bestehenden Schuldverhältnisse heraus. Das sind v.a. Forderungen und Verbindlichkeiten sowie ausstehende Einlagen, Anzahlungen etc. 
  • Die Konsolidierung der Gewinn- und Verlustrechnung eliminiert weitere Verzerrungen aus der Konzernbilanz. So dürfen Erträge und Aufwendungen nur dann in der GuV des Konzerns berücksichtigt werden, wenn sie nicht durch Geschäfte zwischen den Konzernunternehmen entstanden sind. Insbesondere Umsatzerlöse, Zinserträge und Zinsaufwendungen sowie Ergebnisübernahmen zwischen den Konzernunternehmen sind bei der Konsolidierung der Gewinn- und Verlustrechnung zu berücksichtigen 
  • Dazu muss in der Konzernbilanz auch der Wertansatz konzernintern mit Gewinn oder Verlust gelieferter Gegenstände um den Zwischenerfolg bereinigt werden. Da der Konzern als ein eigenes Unternehmen betrachtet wird, gilt der Erfolg erst dann als realisiert, wenn die Lieferungen den Konsolidierungskreis verlassen haben.  
  • Ein Zwischenabschluss muss vorgenommen werden, wenn der Abschlussstichtag eines Einzelabschlusses um mehr als drei Monate von dem Stichtag des Konzernabschlusses abweichtLiegt die Abweichung unter drei Monaten, ist es ausreichend, für den anfallenden Zeitraum Vorgänge von besonderer Bedeutung im Konzernabschluss zu berücksichtigen.  
  • Der Konzernabschluss wird um einen Anhang und einen Lagebericht ergänzt. Der Konzernanhang entspricht weitestgehend dem Aufbau des Anhangs bei EinzelabschlüssenAuch die Regelungen für die Abschlussprüfung sowie für die Veröffentlichung des Konzernabschlusses folgen jenen des Einzelabschlusses 

Passende Artikel