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Eine bessere Lösung Die neue Evolutionsstufe der Kapitalflussrechnung in IDL.KONSIS

Dies ist eine wahre Geschichte darüber, wozu ein guter Dialog mit IDL-Kunden führt: Zu einer besseren Lösung für alle. Zudem ist es ein Einblick in die „Hexenküche“ der IFRS-Experten.

Anfang Dezember 2018 rief mich eine geschätzte Kundin an. Es ging um die Vorbereitung des Konzernabschlusses 2018. In den Vorgesprächen hatten die Wirtschaftsprüfer die Kapitalflussrechnung – und hier speziell das angewandte Verfahren zur Währungsumrechnung in der Kapitalflussrechnung – angemerkt. Wir hatten uns für Ende Januar verabredet, bereits zwei Tage später wurden die Arbeiten erfolgreich abgeschlossen. Das erzielte Ergebnis stellte sich als einmalig heraus, und dies möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. 

Auf Basis verschiedener Unterlagen aus dem IDL-Kompetenzcenter und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erarbeiteten wir zusammen eine praktikable und gute Lösung, die außerdem über Alleinstellungsmerkmale verfügte. Nach der Erprobung ging es in die Umsetzung. Bei den Tests begegneten uns weitere Herausforderungen, die wir durch konsequentes Aufräumen und einen Workaround bewältigten. Die Anmerkungen der Wirtschaftsprüfer gründeten auf IAS 7 in Verbindung mit IAS 21, denn die Anwendung des Stichtagkurses ist nicht zulässig. Das bereits über Jahre praktizierte Verfahren barg einen weiteren Schwachpunkt:

Die Betrachtung der einzelnen Cashflows ergab eine Unvereinbarkeit. Einerseits flossen das Periodenergebnis und das Herausrechnen der Abschreibung zum Periodendurchschnittskurs in die Kapitalflussrechnung ein, die Berücksichtigung der Rückstellung in der Kapitalflussrechnung erfolgte jedoch zum Stichtagskurs. Alle Bereiche der Kapitalflussrechnung wiesen diesen Schwachpunkt auf, da zur Ermittlung der weiteren Cashflows neben Bestands- auch Erfolgskonten hinzugezogen wurden. Dies ist ein unvermeidliches Vorgehen, das dem Feintuning diente. Da die Kapitalflussrechnung sowohl zum Stichtagskurs als auch zum Periodendurchschnittskurs umgerechnete Bewegungen enthielt, wurden die aus der Währungsumrechnung resultierenden Bewegungen in der Summe als Cashflow aus der operativen Tätigkeit ausgewiesen. Diese Maßnahme stellte das Gleichgewicht in der Kapitalflussrechnung wieder her.

Zum besseren Verständnis ein Fallbeispiel. Der Jahresüberschuss i.H.v. CHF 120.000 besteht aus zwei Geschäftsvorfällen:

  • Kauf von Waren / Dienstleistungen i.H.v. CHF 1.000.000 auf Ziel
  • Verkauf von Waren / Dienstleistungen i.H.v. CHF 1.120.000 auf Ziel
  • Cash Anfang der Periode CHF 100.000
  • Wechselkurse Stichtag – Stichtagskurs 1,0806 Periodendurchschnittskurs 1,059

Obwohl es keine Zahlungen gab, wurde ein Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit in Höhe von € 2.265,03 suggeriert. Dieser Betrag fehlte bei der Erprobung des Cash und dies wiederum machte die Zuordnung der Bewegungen aus der Währungsumrechnung zum Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit notwendig. 

Da wurde klar, dass zwar die Summe der Cashflows stimmte, jedoch nicht die einzelnen Cashflows. Dies war dem Umstand geschuldet, dass die Bewegungen, die die Währungsumrechnung darstellten, als Korrekturposten einer einzelnen Zeile innerhalb der Cashflows aus der operativen Tätigkeit und nicht jedem einzelnen Cashflow zugeordnet waren. 

Diese wiederum beseitigten wir durch vier Maßnahmen.

  1. Generelle Umrechnung der Bewegungsbilanz zum Periodendurchschnittskurs (keine Beschränkung, wie im Standard vorgesehen, auf die Abschreibung in der Bilanz)
  2. Grundlegende Überarbeitung der Kapitalflussrechnung (Anpassung der entsprechenden Report- zeilenbeschreibung)
  3. Aufräumen der Umrechnung einzelner Bewegungen zum vorgegebenen Kurs
  4. Erarbeitung eines Workarounds bezüglich der Spiegelumbuchungen zur Schuldenkonsolidierung (SU)

Die Umstellung der Umrechnung der Bewegungsbilanz von SK auf PDK war die leichteste Übung. Wir versahen die dazugehörigen Buchungsschlüssel mit den entsprechenden Einträgen bezüglich der Umrechnungsanweisung (in der Transaktion BSLUAW).

Anspruchsvoller und zeitintensiver gestaltete sich die Überarbeitung der Kapitalflussrechnung. Hier kopierten wir die bestehende Reportzeilenbeschreibung, mit Ausnahme der Zeilen zur Währungsumrechnung, in eine neue Reportzeilenbeschreibung. Die Auswirkungen von Wechselkursänderungen auf die monetären Posten stellten wir gemäß IAS 7.28 als Abstimmposten ein. So entsprach dann die Summe aus dem Cash am Anfang der Periode der Cashflows und dessen Abstimmposten – dem Cash am Ende der Periode.

Dieser Stand wurde jedoch erst erreicht, nachdem die manuellen Eingriffe beseitigt worden waren. Neben der Umrechnung der Veränderungen im Anteilsbesitz und Eigenkapital wurden weitere Bewegungen zum historischen Kurs – also mit vorgegebenem Kurs (VKW) – umgerechnet. Die historische Umrechnung der Zugänge im Anteilsbesitz und im Eigenkapital erwies sich als unschädlich, da diese durch die Kapitalkonsolidierung eliminiert wurden. Die Umrechnung der Bewegungen – die nicht konsolidiert wurden – zum Transaktionskurs hingegen führte zu einer Abstimmungsdifferenz.

Diese Aufgabe erwies sich als anspruchsvoll und aufwendig. Bei der Überarbeitung der Kapitalflussrechnung vermieden wir stringent die Übernahme der Zeilen zur Währungsumrechnung (WUM). Zu diesem Zeitpunkt hatten wir jedoch die Schuldenkonsolidierung, speziell die Spiegelumbuchungen (SU), nicht im Blick. Die Kapitalflussrechnung wertete, da die entsprechenden Buchungsschlüssel hier nicht vorgesehen wurden, das WUM-Teil aus der SU nicht aus. So korrigierten wir kurzerhand diesen Umstand durch einen Workaround. Dabei änderten wir im Nachgang und zwar in den SU-Konsolidierungsbelegen die WUM-Buchungsschlüssel in laufende Buchungsschlüssel um. 

Diese Umstellung änderte die Kontensalden nicht. Änderungen zum vorherigen Stand fanden einzig und allein in den Spiegeln statt. Die einzelnen Spiegelspalten veränderten sich, da diese nun konsequent zum Periodendurchschnittskurs umgerechnet wurden. Die Differenzen fanden sich in der Spalte Währungsumrechnung wieder. 

Die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung blieben erwartungsgemäß unverändert. Die aus der Währungsumrechnung resultierenden Werte wurden nicht in der Kapitalflussrechnung gezeigt (Ausnahme Abstimmposten nach IAS 7.28.)

Jedoch schlossen sie ausnahmslos die aus der Währungsumrechnung resultierenden Bewegungen ein. Ein Beispiel dazu sind die auf den Währungsschwankungen resultierenden Veränderungen der Eröffnungsbilanz. Dies ist jedoch nicht zulässig und führte in der Regel zu Moniten. Der Grund für diese Vorgehensweise lag zum einen daran, dass die Kapitalflussrechnung sonst „nicht aufging“. Die Überleitung der Liquiden Mittel am Anfang der Periode zu deren bilanziellem Ansatz am Ende der Periode war nicht möglich. Und das wiederum lag daran, dass das Ausschließen der WUM-Bewegungen dazu führte, dass die SUKonsolidierungsbuchungen unvollständig in die Kapitalflussrechnung übernommen wurden. Dies haben wir, wie beschrieben, mit dem einfachen Workaround behoben, der sich auch in den Monatsabschlüssen danach bewährte.

Der andere Grund für die Übernahme der Bewegungen aus der Währungsumrechnung in die Kapitalflussrechnung war, dass bei dieser Vorgehensweise eine Abstimmung der Bewegungsbilanz mit der Summe der Bewegungen in der Kapitalflussrechnung, pro Konto, ermöglicht wurde. Auch diese wichtige Funktion blieb erhalten. Hierfür ordneten wir alle Bewegungen aus der Währungsumrechnung in einer gesonderten „Non Cash“-Zeile, außerhalb der Cashflows ausgewiesen, mit dem Hinweis, dass diese Position, also die Summe der Bewegungen aus der Währungsumrechnung, in der Summe Null ergeben muss. 

Auf dem Weg dahin zogen wir alle Möglichkeiten aus IDL.KONSIS in Betracht. Eine der Möglichkeiten wäre uns sehr entgegengekommen: die Einschränkung in der Reportzeilenbeschreibung auf eine einzelne Konsolidierungsverarbeitung.

Dieser Eintrag hätte uns ermöglicht, diesen Schiefstand aus den SU-Konsolidierungsbelegen zu beheben und somit auf den Workaround zu verzichten. Allerdings stand dieses Feature in der uns vorliegenden Version nicht zur Verfügung; eine Auslieferung in naher Zukunft ist aber geplant. „CF läuft hervorragend, super Job“, schrieb meine geschätzte Kundin Ende Februar 2019. Die neue Kapitalflussrechnung bestand in der Folge die Prüfung ohne Beanstandungen. Das bedeutete, dass die vorgenommenen Maßnahmen mitabgenommen wurden. Mit der Aktivierung des Features in IDL.KONSIS entfällt in der Zukunft der Workaround, sodass die Kapitalflussrechnung auf Knopfdruck in dieser gewünschten Form zur Verfügung stehen wird.

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