Fachartikel

Controller 3.0 - Mit Big Data zum Business Partner von morgen

Die Verarbeitung großer Datenmengen ist eine zentrale Herausforderung für Controller, um ihrer Informationsversorgungsfunktion nachzukommen. Das Controlling bietet Big Data-Anwendungen ein breites Einsatzgebiet mit dem Potenzial, das Aufgabenspektrum der Controller zu verändern.

Die daraus resultierenden Implikationen für das Kompetenzprofil und das Rollenverständnis von Controllern wurden im Rahmen einer großzahligen Studie beleuchtet. Die Ergebnisse zeigen, dass Controller durch den Einsatz von Big Data-Lösungen die Chance bekommen, ihre Rolle als Business Partner zu stärken.

Das Controlling wurde in der Vergangenheit stark von Entwicklungen im IT-Umfeld beeinflusst. Vor einigen Jahren erst hat ‚Business Intelligence‘ die Arbeit des Controllings revolutioniert. Die Berichterstellung wurde weitestgehend automatisiert, während der Datenanalyse und Interpretation eine höhere Bedeutung zukam. Eine Fortsetzung dieses Trends ist durch die Anwendung von Big Data zu erwarten. Die Einsatzgebiete von Big Data im Controlling sind vielfältig. Hier einige Beispiele: Die Verarbeitung großer Datenmengen ermöglicht Berechnungen komplexer Datenmodelle nahezu in Echtzeit.

Ursachen für Plan-Ist-Abweichungen können über die automatische Analyse auf der relevanten Berichtsebene ermittelt werden und mit Hilfe von Texterstellungssoftware als Kommentar in das Reporting integriert werden. Weiterhin kann durch eine intelligente Verbindung von unternehmensexternen mit unternehmensinternen Daten das Kenn Kennzahlenset erweitert und somit die Entscheidungsunterstützung verbessert werden. Diese Beispiele zeigen, wie groß das Potenzial von Big Data-Anwendungen ist. Um zu ermitteln, welche Implikationen der Big Data-Trend für das Controlling hat, wurde gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München eine Studie unter Controllern in deutschen Unternehmen durchgeführt. Die Befragung umfasste sowohl die Einsatzgebiete von Big Data im Controlling als auch die daraus resultierenden Veränderungen der Kompetenzanforderungen und des Rollenbilds der Controller. 

Einsatz von Big Data im Controlling

Obwohl Big Data als Trend aktuell stark thematisiert wird, scheinen Anwendungen daraus im Controlling erst verhaltenen Einsatz zu finden. Laut den Studienergebnissen wenden jedoch bereits über ein Viertel der Unternehmen eine Big Data-Lösung im Controlling an und bei weiteren 28 Prozent ist der Einsatz in Planung oder Pilotierung. Um eine differenziertere Aussage über den Einsatz von Big Data im Controlling zu treffen, lohnt ein Blick auf die einzelnen Branchen (vgl. Abb. 1). Bereits 38 Prozent der befragten Handelsunternehmen setzen Big Data für Controllingzwecke ein. Getrieben vom Geschäftsmodell liegen im Handel große Datenmengen vor, weshalb Big Data-Lösungen dort in Unternehmensbereichen wie Marketing und Logistik längst standardmäßig eingesetzt werden. Dadurch besteht bereits eine hohe Akzeptanz von Big Data im Handel und entsprechend schnell hat die Branche auch dessen Einsatzpotenzial für das Controlling erkannt. Obwohl der Handel sich aktuell als klarer Vorreiter im Branchenvergleich zeigt, kann es in den nächsten Jahren zu einer Verschiebung der Rangfolge kommen, weil sich vor allem Unternehmen der Branchen Chemie/Pharma/Medizin, Banken/Versicherungen sowie Maschinenbau/Elektrotechnik in der Planungs- und Pilotierungsphase von Big Data-Anwendungen für das Controlling befinden.

Dagegen werden Unternehmen der Automobilindustrie sowie der Energie-/Rohstoff-Branche auch in einigen Jahren, trotz der Umsetzung der aktuellen Pilot- und Planungsprojekte, mehrheitlich Big Data noch nicht im Controlling anwenden. Das ist überraschend, nachdem diese Branchen auf volatilen Märkten agieren und beispielsweise interessiert daran sein sollten, Umfeldentwicklungen in der Unternehmensplanung rechtzeitig zu berücksichtigen. Insgesamt lässt sich feststellen, dass Branchen, die frühzeitig in Big Data-Technologien für Funktionsbereiche außerhalb des Controllings z.B. Marketing, Produktion etc. investiert haben, diese vergleichsweise schnell auch produktiv im Controlling einsetzen, wobei Unternehmen anderer Branchen wie Maschinenbau/Elektrotechnik sowie Chemie/Pharma/Medizin dieses Wissen in den nächsten Jahren durch Pilot- und Planungsprojekte aufholen werden. Dieser Entwicklung folgend wird Big Data in der Controllingpraxis in den nächsten Jahren stark an Bedeutung gewinnen. Nachfolgend wird beschrieben, welche Implikationen daraus für die Kompetenzanforderungen und das Rollenbild der Controller zu erwarten sind.

Kompetenzanforderungen an Controller

In der Studie wurden Controller gefragt, welche Fähigkeiten sie aufgrund von Big Data zukünftig weiterentwickeln müssen. Die Befragten sehen vor allem einen Bedarf im Ausbau der IT-Kompetenzen (81 %) und der Statistikkenntnisse (68 %). Eine Erweiterung der IT-Fähigkeiten hilft den Controllern beispielsweise, technische Prozesse und Zusammenhänge zu verstehen, Auswertungsmöglichkeiten besser zu beurteilen, aber auch systemseitige Optimierungspotenziale zu erkennen. Außerdem steigt für Controller zukünftig die Bedeutung von Statistikkenntnissen. Big Data-Anwendungen machen es durch ihre Komplexität erforderlich, Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichsten Einflussfaktoren zu erkennen und zu beurteilen. Dadurch lassen sich Abhängigkeiten analysieren, aus denen neue Erkenntnisse gewonnen und fundierte Handlungsempfehlungen für die Unternehmenssteuerung ausgesprochen werden können. Die Befragten sehen Controller in der Pflicht, für den Einsatz von Big Data die fachspezifischen Controllingkenntnisse um Wissen aus dem IT- und Statistikbereich anzureichern.

Eine neue Generation von Business Partnern

Der Controller als Business Partner des Managements ist ein Ziel, das viele Unternehmen anstreben. Durch den Einsatz von Big Data gewinnen Controllingaktivitäten der Dateninterpretation und der daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen weiter an Bedeutung. Die Verbesserung der Datengrundlage und der Analysemöglichkeiten stärkt die Rolle des Controllers als Business Partner. Unsere Studie untersucht, welche Auswirkungen Big Data auf die Zusammenarbeit der Controller mit dem Management haben wird (vgl. Abb. 2). Über 60 Prozent aller Teilnehmer vermuten, dass ihnen die durch Big Data-Lösungen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dazu verhelfen, als vertrauensvoller Berater des Managements agieren zu können. Die zahlreichen Analysemöglichkeiten vereinfachen und verkürzen den Prozess der Management-Informationsversorgung. Sie geben dem Controller mehr Zeit zur Identifikation neuer Handlungsfelder und unterstützen letztlich auch die Entscheidungsfindung. Damit einhergehend wird eine intensivere Zusammenarbeit zwischen dem Controlling und der Managementebene gefördert.

Dass dies auch dazu führen wird, mit dem Management auf Augenhöhe zu diskutieren, bestätigen immerhin 43 Prozent aller Befragten. Betrachten wir die Zukunftsrolle der Controller unter Einsatz von Big Data, so stellt sich die Frage, ob sich eine neue Generation entwickelt, die noch über die Business Partner-Rolle hinausgeht. Während der Controller vor einigen Jahren die Rolle als Datensammler und -aufbereiter innehatte, beansprucht er heute für sich, Business Partner des Managements zu sein. In einem nächsten Schritt wird der Controller 3.0 durch die aktuellen ITEntwicklungen von weiteren Routinetätigkeiten, wie der Standardberichterstattung, entlastet. Beispielsweise wird Managern durch Self Service-BI ermöglicht, sich unabhängig vom Controlling über aktuelle Unternehmensentwicklungen zu informieren. Controller sind deshalb gefordert, sich von Routineaufgaben zu lösen und sich stärker zu spezialisieren. Dies können sie erreichen, indem sie sich intensiver mit der Datengrundlage und den Auswertungsmöglichkeiten auseinandersetzen. Weiterhin sollten sie ihr Geschäftsverständnis ausbauen und zur Detailanalyse von entscheidungsrelevanten Sachverhalten einsetzen.

Fazit

Der Big Data-Trend ist bereits dabei, den Controlleralltag zu verändern. Aus dem großen Anteil an Unternehmen, die sich gerade über Pilotprojekte oder in der Planung mit der Einführung von Big Data-Lösungen beschäftigen, ist erkennbar, welch großes Potenzial sich hinter dem Trend verbirgt. Von den Controllern von morgen wird erwartet, dieser Entwicklung frühzeitig Rechnung zu tragen, indem das eigene Kompetenzprofil um entsprechende IT- und Statistikkenntnisse erweitert wird. Gleichzeitig ergibt sich aus der Entwicklung für die Controller die Chance, Werthaltigkeit und Anspruch der Controllertätigkeiten zu erhöhen. Wenn Controller es schaffen, die neuen technologischen Möglichkeiten mit ihren Kenntnissen über komplexe Datenmodelle und einem tiefgehenden Geschäftsverständnis zu verbinden, werden sie zum unersetzbaren Experten am Managementtisch.

Passende Artikel