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Auch mal unkonventionelle Wege gehen - Drei Fragen an Wolf K. Müller Scholz

Der Marktexperte empfiehlt Unternehmen, sich ohne ideologische Scheuklappen mit aktuellen Themen zu beschäftigen und vor allem in den Bereichen Controlling, Business und IT viel enger, pragmatischer und auch unkonventioneller zusammenzuarbeiten.

IDL: Welche Markttrends sehen Sie als wichtig an?

Müller Scholz: Ich beobachte vor allem einen eindeutigen Trend hin zu mehr wirtschaftlicher Volatilität bei gleichzeitig wachsender Komplexität der Strukturen und Beziehungen. Dies liegt an der sehr viel stärker verwobenen, globalisierten Weltwirtschaft und dem zunehmenden Innovationstempo. Hinzu kommen schwer kalkulierbare politische Unsicherheitsfaktoren, wie vor allem das Währungsrisiko mit dem Euro. Der Bestand der europäischen Gemeinschaftswährung kann angesichts der aktuellen Entwicklungen in Südeuropa selbst unter sehr optimistischen Prämissen nicht mehr als gesichert angesehen werden. Die Konsequenzen von Turbulenzen oder gar eines Euro-Crashs müssen Unternehmen meiner Meinung nach sorgfältig und ohne ideologische Scheuklappen durchspielen. Dafür gibt es viele neue Konzepte und Lösungen.

IDL: Auf welche Trends sollten Unternehmen achten?

Müller Scholz: Ich würde hier den Trend zu besserem Management der Volatilität und der Risiken hervorheben. Dazu sind in den Unternehmen moderne Organisationsformen wie zum Beispiel Kompetenzzentren für Business Intelligence erforderlich. Controlling, Business und IT müssen viel enger, pragmatischer und auch unkonventioneller zusammenarbeiten. Nur so kann das Topmanagement mit wirklich soliden Entscheidungsgrundlagen versorgt werden. Dabei müssen die Experten immer mehr Daten in die Managementinformationssysteme integrieren – wie beispielsweise Big Data und unstrukturierte Informationen etwa aus Social Media oder externen Marktstudien. Darüber hinaus wird die Auslagerung unternehmensinterner Daten und kompletter Systeme an externe Dienstleister, also in die sogenannte Cloud, weiter zunehmen. Doch sollten Unternehmen sich hier nicht von der Modewelle treiben lassen, sondern konkret den praktischen Nutzen durchrechnen – und stets die immer möglichen Datensicherheitsprobleme im Auge behalten.

IDL: Welche Faktoren haben heute weniger Bedeutung?

Müller Scholz: Rein technische Fragen bezüglich der Softwarestandards für Business Intelligence und Controlling. Denn die heute verfügbaren Produkte sind sehr ausgereift und zudem vielfältig miteinander kombinierbar. Ihr Beitrag zum betriebswirtschaftlichen Nutzwert hängt weniger von technischen Details als vielmehr von der Güte der konkreten Implementierung im Unternehmen ab.

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