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Arbeitswelten im Umbruch

In Zukunft werden Mitarbeiter ihre Arbeit in dynamischen Umgebungen erledigen, sei es unterwegs, im Büro oder im Wohnzimmer. Mitarbeiter können ihre Endgeräte ebenso frei wählen wie auch den Arbeitsplatz und den Zeitpunkt der Arbeit.

Die notwendigen Informationen für ihre rollenspezifischen Arbeitsinhalte, ob strukturiert oder unstrukturiert, werden von einer einheitlichen Austauschplattform an unterschiedliche Endgeräte ausgegeben und dort weiter verarbeitet.

Das Internet und Web an sich, die weltweite Vernetzung der Computer und Menschen, sind dabei erst der Anfang einer neuen digitalen Wirtschaft. Parallel dazu stehen wir derzeit an der Schwelle von einer angebots- und produktorientierten zu einer nachfrage- und serviceorientierten Wirtschaft, die im Zeichen der Shared Economy steht. Durch eine neue wirtschaftliche Umverteilung werden ganze Branchen umgekrempelt, neue Unternehmen etablieren sich und manche Industriezweige können langsam verschwinden sowie auch neue entstehen.

Im Vordergrund stehen dabei das Erzielen von Effizienz, Agilität und die Optimierung bzw. Neuschaffung von Prozessen und Produkten, das schnelle Erkennen von Verbraucherverhalten, Bedürfnissen und neuen Märkten sowie das Aufsetzen neuer Geschäftsmodelle über alle Branchen. Ganz besonders geht es um die Besetzung der strategischen Machtpositionen der Zukunft, für das künftige „Betriebssystem“ unserer neuen digitalen Lebensweise!

Erfolgsfaktor Social Business Collaboration

Die Art und Weise, wie Unternehmen künftig die prozessorientierte Zusammenarbeit ihrer internen Mitarbeiter untereinander als auch mit externen Kunden und Partnern organisieren, wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Social Business Collaboration nutzt dafür die Web-2.0-Konzepte, die Interaktivität im Netz, also den aktiven Austausch von Content-Anbieter und -Konsument, wobei deren Grenzen verschwimmen. Die zugrundeliegenden Software Systeme beinhalten in der Regel verschiedene Werkzeuge, wie Wikis, Blogs, Activity-Streams, Content Sharing und Rating Systeme, vordefinierte Schnittstellen zu Backend-Systemen sowie integrierte Berechtigungs- und Content-Management-Fähigkeiten.

Bei der prozessorientierten Zusammenarbeit im Team geht es vor allem um das kreative Element und die kreativen Momente, das Zufällige und das Ad-hoc-Geschehen, kurz gesagt: es geht um Innovation und Wachstum, das Entstehen von Neuem, das sich manifestiert in Ideen, Notizen, Abmachungen, Dokumenten, Projekten, Aufgaben, Meetings, Gespräche, Expertenprofilen etc. Zudem geht es um die zielgerichtete Kooperation von Menschen und die Digitalisierung von Informationen im Kontext der jeweiligen Arbeit. Die Inhalte können unstrukturiert und strukturiert sein und die Weiterverarbeitung im Team, intern und extern, kann zusätzlich regelbasiert automatisiert werden.

Gerade fachliche Wissensarbeiter, auch Knowledge Worker genannt, deren Anteil an der vernetzten Wertschöpfung in den Industriestaaten zunehmend steigt, brauchen ein stimulierendes Arbeitsumfeld, das ihnen Freiheiten bietet und sie selbst über die Einbindung ihrer geschäftlichen Informationen und sozialen Netzwerke sowie über Arbeitsort und -zeit entscheiden lässt.

Hindernis klassische Business Systeme

Waren Software-Lösungen bisher auf die Automatisierung von Transaktionen zwischen Maschinen oder IT-Anwendungssystemen spezialisiert, so wird es zwingend notwendig, dass diese sich im Zeitalter der Mobilität und sozialen Webplattformen zum Anwender hin öffnen und sich besser in unternehmensübergreifende Geschäftsabläufe als auch kollaborative Geschäftsszenarien integrieren. Leider liegt bei vielen Anwenderunternehmen in Folge der Internationalisierung und Zukäufe der Fokus oft auf ERP-Projekten um die Kernprozesse durchgängig zu konsolidieren, zu standardisieren und anzupassen. Dieses Vorgehen frisst fast alle IT-Ressourcen und verhindert so, dass für andere notwendige Innovationen Geld und Zeit bleibt. Selbst wenn es der Fall wäre, dann fließen die freien Ressourcen erst noch in die Optimierung der CRM- und Dokumentenmanagement-Projekte.

Die fatale Konsequenz: Abseits der Kernprozesse gibt es große weiße Flecken in der Unternehmens-und IT-Strategie, keine Freiräume für kollaborative Wertschöpfungsprozesse, die die Informationsanforderungen über Standorte und Abteilungsgrenzen hinweg erfüllen. Aber genau hier liegt der Bedarf bei den Fachabteilungen und Endanwendern für IT-Unterstützung im Unternehmen. Auch die meisten Angebote der SaaS- bzw. on-Demand-Anbieter konzentrieren sich mehr oder weniger auf die klassischen Business-Lösungen, wie CRM, ERP, PLM, CMS etc., nur in einer anderen Bereitstellungsform. Letztere fokussieren oft nach wie vor auf eine Inside-out-Sicht, also ausschließlich auf lineare strukturierte Prozesse, die das eigene Unternehmen betreffen. Allzu oft wird vergessen, was der Anwender wirklich bewerkstelligen will: die Outside-in-Sicht. Und sobald ein geschäftlicher Vorgang außerhalb der eigenen Hoheitsgebiete liegt, wird dieser oftmals nicht mehr abgedeckt.

Die Forderung nach neuen intelligenten und gleichzeitig agilen Business-Lösungen für die flexible Zusammenarbeit in Echtzeit, sowohl unternehmensintern als auch unternehmensübergreifend, wird immer lauter. Denn geschäftlichen Herausforderungen wie Wettbewerbsdruck, Automatisierungsdruck im Informations- und Wissensmanagement sowie die Forderungen nach unternehmensübergreifender Prozess (B2B)-Collaboration lassen sich nicht durch die Optimierung der klassischen Geschäftsanwendungen (ERP, CRM, DMS, etc ) meistern.

Empfehlung Think Big, Start Small, Scale Fast

Verfolgt man das Ziel eines unternehmensweiten Einsatzes von Social Business Collaboration, sollte man nicht unterschiedliche Collaboration-Plattformen im Einsatz haben. Natürlich kann in einer Abteilung oder einem fachspezifischen Team begonnen werden, es sollte aber anfangs groß gedacht werden. Empfehlenswert ist, als erstes die übergeordneten Unternehmensziele und Bereichsziele zu formulieren und dann die Anwendungsfälle zu betrachten. Geht es nach der Zielformulierung um die Auswahl der Collaboration-Plattformen, empfiehlt sich eine Kombination aus Standard und Best of Breed. Langfristig betrachtet wäre es eine Traumvorstellung, mit einer Plattform alle Anwendungsfälle für die Zusammenarbeit erfüllen zu können.

Die Erfahrungen zeigen auch, eine profunde Anbieter- und Technologie-Evaluierung sollte erst nach einer klaren Einschätzung der Ziele und Perspektiven des Einsatzes von Social Business Collaboration für das jeweilige Unternehmen vorgenommen werden. Das Ziel, neue und andere Formen des täglichen Austausches allein auf das technisch Machbare zu reduzieren, wäre ebenfalls zu kurz gesprungen. Diejenigen, die das getan haben, stecken heute teilweise in der Sackgasse. Der Grund: Sie haben zwar die Plattformen installiert, aber sich zu wenig darum gekümmert, die Mitarbeiter auf dem Weg mitzunehmen. Denn die „Social Readiness“ des Unternehmens, die Bereitschaft der Organisation für das Arbeiten in neuen Arbeitsformen und Philosophien, ist zentral, damit aus dem guten Ansatz nicht ein Flop wird und die innewohnenden Möglichkeiten umfassend genutzt werden können.

 

 

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